Erim, 40, Türkei / Deutschland

ErimIch bin im Jahr 1986 Deutschland gekommen, als ich 13 Jahre alt war. Nachdem meine Eltern in der Türkei gestorben sind, hat mein  Bruder mich als Pflegekind hier, nach Deutschland gebracht.

Im Jahr 1994, als ich Abitur gemacht habe, wollte ich die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. Allerdings musste man 8 Jahre hier in Deutschland gelebt und 5 Jahre lang gearbeitet haben. Aber ich war ein Schüler, wie sollte ich dann gearbeitet haben? Also es ging nicht.

6 Jahre später, im Jahr 2000 bin ich noch mal hingegangen, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen.  Diesmal wurde mir gesagt, dass ich ein Student bin, kein regelmäßiges Einkommen habe und damit auch keinen Anspruch auf die deutsche Staatsbürgerschaft habe.  Sie haben mir aber Hoffnung gegeben: „Warten Sie mal, jetzt macht die neue Rot-Grüne-Regierung ein neues Gesetzt und dann haben Sie den Anspruch“.  Gut, ich habe mich bedankt.

Dann gab es die Geschichte, dass vielen Menschen aus der Türkei die deutsche Staatsbürgerschaft wieder entzogen wurde, weil sie die Doppelte-Staatsbürgerschaft hatten. Ich war enttäuscht und  hatte keine Lust mehr; ich war abgeneigt!

Vor 3-4 Jahren habe ich die deutsche Bürgerschaft trotzdem noch einmal beantragt.  Ich war in dieser Zeit ein Doktorand und hatte eine feste Stelle. Es stand Alles fest, alle Unterlagen waren in Ordnung. Ich habe gewartet, gewartet, kam aber von den Behörden keine Rückmeldung.  Irgendwann mal kam ein Anschreiben, ich musste über meine wirtschaftliche Lage berichten. Auch das habe ich gemacht. Dann ist noch ein Jahr vergangen. Ich habe mich bei den Behörden noch mal gemeldet und gesagt, dass alle Frist langsam auslaufen. Sie haben sie noch mal mit meinem Anliegen beschäftigt und  es kam raus, dass meine Akten vergessen wurden. Sie haben meine Dokumente falsch geordnet und deswegen habe ich ganzes Jahr keine Rückmeldung erhalten.

Später, irgendwann mal, vor 6 Monate nämlich  hat  es mit der deutschen Staatsbürgerschaft doch geklappt. Also ich versuchte seit 1994 die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen und 2013 habe ich  sie bekommen. Fast nach 20 Jahren!

Seit 6 Monate bin ich ein deutscher Staatsbürger, endlich mal! Jetzt bin ich 40 Jahre Alt und mit 40 Jahren darf ich erstes Mal wählen. Mit 40 Jahren erstes Mal wählen! Ich weiß nicht, ob man darüber glücklich sein soll!  Außerdem ich finde diese Wahlen nicht demokratisch: Sehr viele Menschen werden von den Wahlen unrechtmäßig ausgeschlossen. Diese Wahlen sind einfach nicht demokratisch!

Ich hab keine großen Erwartungen an die deutsche Politik. Wenn es um Migrantenrechte geht, oder um  Wahlrecht für Alle, sind sie nicht ernsthaft dabei. Ich habe das Gefühl, dass  Migranten das Land mit aufgebaut haben  aber Deutschland hat sich bei denen gar nicht bedankt –  kein Wahlrecht, keine doppelte Staatsbürgerschaft. Da erwartet man von den Immigranten, dass sie sich hier  integrieren sollen. Ich frage mich auch, wie das überhaupt gehen soll.